Was ist Permakultur?

Wie wäre es, am Wiederaufbau des Paradieses teilzuhaben? Einem Ort der wunderschön ist und noch dazu im Überfluss bereit hält, was wir zum Leben brauchen. Eine Vielzahl von Tieren und Pflanzen beherbergt. Raum bietet für Erholung, Gemeinschaft, sinnvolle, erfüllende Arbeit, ein Leben mit Kindern und Alten. Ein Leben von der Natur und im Einklang mit der Natur. Immer mehr Menschen wagen es heute, von so einem Leben zu träumen. Und ihre Visionen sind keine Utopien. Die Zeichen unserer Zeit sagen eines ganz deutlich:  Wir müssen Wege finden, genau diese Art von Träumen heute Wirklichkeit werden zu lassen.

Was ist Permakultur?

Permakultur setzt sich aus den englischen Wörtern permanent und agriculture (deutsch: dauerhafte Landwirtschaft) zusammen. Der Begriff umschreibt die Idee der nachhaltigen Landwirtschaft und besagt, dass eine Kultur nur dann fortdauernd bestehen kann, wenn der Mensch stabile, produktive und naturnahe Ökosysteme schafft. Dabei sollen sich die Teilsysteme eines Systems ergänzen und zu höher integrierten Einheiten zusammenschließen (holistisches Denken).

Die Philosophie der Permakultur beruht auf einem ganzheitlichen wissen­schaftlichen Weltbild, das die natürlichen Ökosysteme und ihre Kreislaufstruk­turen als grundsätzliche Voraussetzung auch des menschlichen Lebens be­rücksichtigt.  Als “Kultur” können demnach nur jene menschlichen Lebensäu­ßerungen verstanden werden, die diesen biokybernetischen Prinzipien nicht widersprechen. Der Mensch als ein Teil der Natur hat dabei die Möglichkeit und Aufgabe durch kritische Fragestellungen die Kultur der Lebensräume permanent zu verbessern. Messwert dieses Bestrebens ist der ökologische Fußabdruck, der un­ter der Berücksichtigung der politischen, ökolo­gischen, ökonomischen und sozialen Zusammenhänge, möglichst gering gehalten werden soll.

Es ist ein inzwischen sehr umfassendes Konzept zur Gestaltung nachhaltiger Lebensräume geworden, von kleinen Elementen wie Kräuterspiralen über Gärten, Gemeinschaften und Betriebe hin zu ganzen Siedlungen und Ökodörfern. Dabei geht es um die Anwendung von systemischem Denken und Planungsprinzipien zur Gestaltung sich selbst erhaltender Lebensräume im Rahmen der ökologischen Tragfähigkeit. Sie orientiert sich dabei an dauerhaften, natürlichen Kreisläufen zur Stabilisierung des Systems (Energie-, Stoff-, Luft-, Wasserkreislauf) und versucht, deren zugrunde liegenden Gesetzmäßigkeiten so weit wie möglich und sinnvoll zu berücksichtigen. In permakulturell konzeptionierten Lebensräumen leben Menschen, Tiere und Pflanzen harmonisch miteinander. Pflanzen etwa haben einen mehrfachen Nutzen und stehen in Wechselwirkung mit den Tieren.

Es geht also um viel mehr als eine Form von biologischem Gärtnern, von biologischer Landwirtschaft oder Selbstversorgung. Permakultur bietet kreative Gestaltungs- und Designstrategien als Antwort auf die bevorstehenden globale Veränderungen und Krisen. Mutter Natur und die Ökosysteme unseres Planeten schaffen es nicht mehr den Status quo unserer ausbeuterischen wirtschaftlichen Aktivitäten zu verkraften.

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Ursprünge des Konzepts

Erstmals wurden die Gestaltungsansätze zum Schaffen einer dauerhaften Landwirtschaft von Bill Mollison und David Holmgren in Australien publiziert. Von dort ging die Permakultur-Bewegung Ende der 1970er-Jahre ihren Weg in die Welt; 1981 erhielt Mollison den „Alternativen Nobelpreis“ (Right Livelihood Award) dafür. Ziel der Aktiven war und ist die Verwirklichung dauerhafter landwirtschaftlicher Systeme. Seit seiner Prägung erfuhr der Begriff „Permakultur“ darüber hinaus eine inhaltliche Wandlung. Er wird heute eher als permanent culture gefasst, also als ein Gestaltungssystem zur Entwicklung einer komplexen Lebens- und Lebensraumgestaltung, einer dauerhaften Kultur. Denn die Landbewirtschaftung ist, bei genauem Hinsehen, von unserer zwischenmenschlichen Kultur nicht zu trennen.

Zahlreiche nützliche Ideen, Methoden, Fähigkeiten und Lebensweisen werden in der Permakultur, wie in einem Werkzeugkasten, versammelt, um eine zukunftstaugliche Entwicklung der Menschheit zu unterstützen. Somit werden die ökologische Land-, die Forst- , die Wasser- und die Energiewirtschaft sowie der Gartenbau,  die Architektur, die Gemeinschaften und die Sozialökonomie, harmonisch und holistisch miteinander verwoben. Permakulturaktive befassen sich so beispielsweise neben dem Gärtnern mit ganzheitlicher Weidewirtschaft oder Aquakulturen, mit natürlichen Baumaterialien, solidarischer Landwirtschaft, Gewaltfreier Kommunikation oder selbstgestaltetem Lernen.

Die Grundlage permakulturellen Handelns ist eine Ethik, die durch 3 Prinzipien festgeschrieben wird:

  • Achtsamer Umgang mit der Erde (Earth care)
  • Achtsamer Umgang mit dem Menschen (People care)
  • Selbstbegrenzung und Überschussverteilung (Fair share)

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Damit werden der Schutz unserer Lebensgrundlagen und das Streben nach sozialer Gerechtigkeit festgeschrieben und auch die Endlichkeit aller Ressourcen anerkannt.

Um die Anwendung dieser ethischen Prinzipien in konkretes Handeln zu übersetzen, wurden sogenannte Gestaltungsprinzipien formuliert. Diese sind universell anwendbar und sollen eine zukunftsfähige Entwicklung beschleunigen, indem sie als Entscheidungshilfen dienen:

  1. Beobachte und handele
  2. Fange Energie ein und bewahre sie
  3. Erziele eine Ernte
  4. Lass die Natur regulieren und akzeptiere Feedback
  5. Nutze und schätze erneuerbare Ressourcen und Leistungen
  6. Produziere keinen Abfall
  7. Gestalte erst das Ganze, dann das Detail
  8. Integriere mehr, als du trennst
  9. Nutze kleine und langsame Lösungen
  10. Nutze und schätze Vielfalt
  11. Nutze die Randzonen und schätze das Marginale
  12. Nutze die Veränderungen, reagiere auf sie mit Kreativität
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